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Forschung

Forschung

Das Lonetal ist schon seit dem Jahr 1861 in Fokus der Urgeschichte. Mit einer der ersten urgeschichtlichen Ausgrabungen an der Bärenhöhle durch Oscar Fraas besitzt das Tal eine lange archäologische Tradition. Die Fundstellen im Lonetal lieferten herausragende Funde aus dem Mittelpaläolithikum, dem Aurignacien, dem Magdalénien und dem Mesolithikum. Unter den wichtigsten Funden aus dem Mittelpaläolithikum sind die Bocksteinmesser aus der Bocksteinschmiede und der Femur eines Neandertalers aus dem Hohlenstein-Stadel zu nennen. Als herausragende Funde des Aurignacien sind zahlreiche Elfenbeinfiguren, Schmuck und Flötenfragmente zu nennen, diese stammen zum großen Teil aus dem Vogelherd. Aus dem Hohlenstein-Stadel ist der Löwenmensch als einzigartiger Fund hervorzuheben. Mit der noch laufenden Ausgrabung in der Langmahdhalde und den laufenden Auswertungen der Funde aus der Nachgrabung des Vogelherds sind auch für die kommenden Jahre neue Erkenntnisse aus der Forschung zu rechnen.

Langmahdhalde

Ausgrabungen: seit 2016
Fundstellenart: Abri, Felsüberhang
Zeitstellung: Magdalénien, Mesolithikum, Neolithikum

Kurzbeschreibung:
Die Langmahdhalde ist eine neue Fundstelle, die sich unter einem Felsüberhang befindet. Die Fundstelle liegt nur rund 2 km nordöstlich vom Vogelherd. Die Hauptfundschichten der Fundstelle lieferten Funde aus dem Magdalénien. Die Schicht 4 der Fundstelle lieferte Geweih, Knochen, Steinartefakte und die Einwirkung von Feuer konnte festgestellt werden. Diese Schicht wurde auf 15.291 – 15.159 cal BP datiert und fällt damit in das Magdalénien (Conard et al. 2017).

Literatur:
Conard, N. J., Janas, A., and Zeidi, M., 2017: Neue Ausgrabungen unter den Felsdächern in der Langmahdhalde bei Lontal. Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2016, 58–63.

Wong, G. L., Starkovich, B. M., Conard, N. J., 2017: Human Subsistence and Environment during the Magdalenian at Langmahdhalde: Evidence from a new Rock Shelter in the Lone Valley, Southwest Germany. Mitteilungen der Gesellschaft für Urgeschichte 26, 103-123.

Vogelherd

Ausgrabungen: 1931, 2005 bis 2012
Fundstellenart: Höhle
Zeitstellung: Mittelpaläolithikum, Aurignacien, Magdalénien, Mesolithikum, Neolithikum

Kurzbeschreibung:
Der Vogelherd befindet sich auf einem Bergsporn oberhalb des Lonetals. 1931 entdeckte der Heimatforscher Hermann Mohn im Auswurf eines Dachsbaus Feuersteinartefakte. Im selben Jahr begann Gustav Riek mit einer Ausgrabung im Höhleninneren. Er stellte insgesamt neun Schichten fest, die vom Mittelpaläolithikum bis ins Neolithikum reichen. Vor allem die aurignacienzeitlichen Schichten IV und V waren reich an Funden und lieferten die faszinierenden Elfenbeinfiguren. Bei den Nachgrabungen die von 2005 bis 2012 im Abraum der Altgrabung durchgeführt wurden, konnten zahlreiche neue Funde gemacht werden. Darunter waren neue Elfenbeinfiguren, Schmuckperlen, Flötenfragmente und Steinartefakte.

Literatur:
Conard, N. J., Niven, L. B., Mueller, K., Stuart, A.J., 2003: The chronostratigraphy of the Upper Paleolithic deposits at Vogelherd. Mitteilungen der Gesellschaft für Urgeschichte 12, 73–86.

Conard, N. J., Bolus, M., 2008: Radiocarbon dating the late Middle Paleolithic and the Aurignacian of
the Swabian Jura. Journal of Human Evolution, Volume 55, Issue 5., 886-897.

Conard, N. J., Zeidi, M., Janas, A. 2016: Abschließender Bericht über die Nachgrabungen am Vogelherd und die Sondage in der Wolftalhöhle. Archäologische Ausgrabungen in
Baden-Württemberg 2015. 66-72.

Dutkiewicz, E., Wolf, S., Conard, N. J. 2018: Early symbolism in the Ach and the Lone valleys of southwestern Germany. Quaternary International 491, 30-45.

Hahn, J., 1977: Aurignacien, das ältere Jungpaläolithikum in Mittel- und Osteuropa.
Böhlau-Verlag, Köln/Wien.

Niven, L. 2006: The Palaeolithic Occupation of Vogelherd Cave: Implications for the Subsistence Behavior of Late Neanderthals and Early Modern Humans. Kerns Verlag. Tübingen.

Riek, G. 1934: Die Eiszeitjägerstation am Vogelherd im Lonetal. Tübingen: Akademische Buchhandlung Franz F. Heine.

Hohlenstein-Komplex

Hohlenstein-Stadel

Ausgrabungen: 1861, 1881, 1935, 1937 bis 1939, 2008 bis 2013
Fundstellenart: Höhle
Zeitstellung: Mittelpaläolithikum, Aurignacien, Magdalénien, Mesolithikum, Neolithikum

Kurzbeschreibung:
Erste Sondagen wurden im Hohlenstein-Stadel durch Oscar Fraas (1861) und durch Ludwig Bürger (1881) durchgeführt. Anschließend folgten eine Sondage (1935) und Ausgrabungen (1937 bis 1939) von Robert Wetzel. Am letzten Tag dieser Ausgrabung wurden annähernd 300 bearbeitete Elfenbeinfragmente gefunden. Diese wurden erst im Jahr 1969 durch Joachim Hahn zu der bekannten Figur des Löwenmenschen zusammengesetzt. Weitere Ausgrabungen wurden durch das Landesamt für Denkmalpflege unter der Leitung von Claus-Joachim Kind durchgeführt (2008 bis 2013). In diesen Grabungskampagnen konnten unter anderem die Grabungskante der Grabung Wetzels wiedergefunden werden.

Literatur:
Beck, D., 1999: Das Mittelpaläolithikum des Hohlenstein-Stadel und der Bärenhöhle – im Lonetal. Universitätsforschungen zur prähistorischen Archäologie 56. Verlag Dr. Rudolf Habelt, Bonn.

Fraas, O., 1862: Der Hohlenstein und der Höhlenbär. Jahreshefte des Vereins für vaterländische Naturkunde in Württemberg 18, 156-188.

Kind, C.-J., Ebinger-Rist, N., Wolf, S., Beutelspacher, T., Wehrberger, K., 2014: The smile oft he Lion Man. Recent Excavations in the Stadel Cave (Baden-Württemberg, south-western Germany) and the Restoration of the Famous Upper Palaeolithic Figurine. Quartär 61, 129-145.

Wehrberger, K., 1994: der Löwenmensch. In: Ulmer Museum (Hrsg.), Der Löwenmensch. Tier und Mensch in der Kunst der Eiszeit. Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen, 29-45.

Wetzel, R., 1961: Der Hohlestein im Lonetal. Dokumente alteuropäischer Kulturen vom Eiszeitalter bis zur Völkerwanderungen. Mitteilungen des Vereins für Naturwissenschaften und Mathematik in Ulm 26, 21-75.

Quelle: LAD
Quelle: LAD

Hohlenstein-Bärenhöhle

Ausgrabungen: 1861, 1937 bis 1938, 1956 bis 1961
Fundstellenart: Höhle
Zeitstellung: Mittelpaläolithikum, Aurignacien

Kurzbeschreibung:
Die Bärenhöhle liegt nur wenige Meter über dem Talgrund des Lonetals und ist Teil des Hohlenstein-Komplexes. Die Fundstelle wurde sehr früh durch den Geologen und Paläontologen Oscar Fraas im Jahr 1861 ausgegraben. Dabei hatte er es auf Höhlenbärenknochen abgesehen. Erst später erkannte er die Hinterlassenschaften der Menschen der Steinzeit. Spätere Ausgrabungen durch Robert Wetzel und Otto Völzing brachten hauptsächlich Funde aus dem Mittelpaläolithikum ans Tageslicht.

Literatur:
Beck, D., 1999: Das Mittelpaläolithikum des Hohlenstein-Stadel und der Bärenhöhle – im Lonetal. Universitätsforschungen zur prähistorischen Archäologie 56. Verlag Dr. Rudolf Habelt, Bonn.

Wetzel, R., 1961: Der Hohlestein im Lonetal. Dokumente alteuropäischer Kulturen vom Eiszeitalter bis zur Völkerwanderungen. Mitteilungen des Vereins für Naturwissenschaften und Mathematik in Ulm 26, 21-75.

Hohlenstein-Kleine Scheuer

Ausgrabungen: 1923, 1925, 1974
Fundstellenart: Felsüberhang
Zeitstellung: Magdalénien, Neolithikum

Kurzbeschreibung:
Die Kleine Scheuer liegt unter einem Felsüberhang zwischen dem Hohlenstein-Stadel und der Bärenhöhle. Erste Ausgrabungen wurden im Jahr 1923 durch Wolfgang Soergel und seiner späteren Frau Elsbeth Soergel-Rieth durchgeführt. Der bekannteste Fund von dieser Fundstelle ist ein bemalter Kiesel, der dem Magdalénien zuzuordnen ist. 1974 folgte eine Nachgrabung durch Joachim Hahn und Wighart von Königswald.

Literatur:
Hahn, J., von Koenigswald, W., 1977: Die steinzeitlichen Funde und die spätglazialen Nagetierschicht aus der kleinen Scheuer am Hohlenstein im Lonetal. Mit einem Beitrag von P. Schröter. Fundberichte aus Baden-Württemberg 3, 51-75.

Soergel-Rieth, E., 2011: Eine diluviale Nagetierschicht und ihre Bedeutung für die Klimafrage. Kerns Verlag, Tübingen.

Bockstein-Komplex

Bocksteinschmiede, Bocksteinloch und Brandplatte

Ausgrabungen: 1932 bis 1935
Fundstellenart: Höhle und Vorplatzbereich
Zeitstellung: Mittelpaläolithikum und Jungpaläolithikum

Kurzbeschreibung:
Die Bocksteinschmiede, das Bocksteinloch und die Brandplatte befinden sich nur wenige Meter östlich der Bocksteinhöhle und wurden von Robert Wetzel ausgegraben (1932 bis 1935). Besonders bedeutend sind die mittelpaläolithischen Funde. Das Bocksteinmesser wurde nach dieser Fundstelle benannt. Diese Keilmesser kommen hauptsächlich aus der Hauptfundschicht BS III und sind dem Mittelpaläolithikum zuzuordnen.

Literatur:
Bosinski, G. 1969: Die Fundstellen am Bockstein. In: R. Wetzel und G. Bosinski, Die Bocksteinschmiede im Lonetal (Markung Rammingen, Kreis Ulm). Band 1. Veröffentlichungen des staatlichen Amtes für Denkmalpflege Stuttgart A 15. Kommissionnsverlag Müller und Gräff, Stuttgart, 15-20

Çep, B. 2014: Das mittelpaläolithische Silexinventar des Bocksteins im Lonetal (Schwäbische Alb): Vielfalt der Formen oder Fortbestand einer technologischen Idee? In: H.-J. Beier, R. Einicke und E. Biermann (Hrsg.), „Material – Werkzeug: Werkzeug – Material“ und „Klinge, Messer, Schwert und Co – Neues aus der Schneidenwelt“. Aktuelles aus der Neolithforschung. Varia neolithica VIII. Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas 75. Beier und Beran. Archäologische Fachliteratur, Langenweißbach, 79-92-

Wetzel, R. 1935: Die Bocksteinschmiede im Lonetal, Markung Rammingen. Fundberichte aus Schwaben N.F. 8, 16-20.

Wetzel, R. 1958: Die Bocksteinschmiede mit dem Bocksteinloch, der Brandplatte und dem Abhang sowie der Bocksteingrotte. Ein Beitrag zur europäischen Urgeschichte des Lonetals und zur geschichtlichen Morphologie des Menschen. Teil 1. Veröffentlichungen aus der prähistorischen Abteilung des Ulmer Museums 1. Kohlhammer Verlag, Stuttgart.

Bocksteinhöhle und Bockstein-Törle

Ausgrabungen: 1883 bis 1884, 1908, 1953, 1954, 1956
Fundstellenart: Höhle und Vorplatzbereich
Zeitstellung: Mittelpaläolithikum, Aurignacien, Gravettien, Magdalénien, Mesolithikum, Neolithikum

Kurzbeschreibung:
Die Bocksteinhöhle befindet sich auf der linken Seite des Bockstein-Komplexes. Die heute sehr große Öffnung der Höhle wurde während der Grabungen von Ludwig Bürger angelegt (1883/84). Die Höhle wurde ein zweites Mal im Jahr 1908 durch R.R. Schmidt ausgegraben. Der eigentliche Eingang zur Höhle, das Bockstein-Törle, ist viel kleiner und wurde während de Grabungen von Robert Wetzel (1953, 1954, 1956) ausgegraben. Das Bockstein-Törle ist eine der wenigen Fundstellen im Lonetal, in der es Hinweise auf ein Vorhandensein des Gravettiens gibt.

Literatur:
Bürger, L., 1892: Bockstein – Fohlenhaus – Salzbühl. Correspondenzblatt der Deutschen Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte 23, 107-108.

Hahn, J., 1977: Aurignacien, das ältere Jungpaläolithikum in Mittel- und Osteuropa.
Böhlau-Verlag, Köln/Wien.

Wetzel, R. 1954: Das Törle an der alten Bocksteinhöhle. Mitteilungen des Vereins für Naturwissenschaft und Mathematik in Ulm 24, 3-20.